Kommunikation, die ankommt!
Kommunikation, die ankommt! 

KOMPASS Gesundheitsblog

Aktuelle Beiträge zu Themen aus den Branchen Biotechnologie, Life Sciences, Diagnostik, Pharma, Healthcare und IT. Von Elke Matuschek.

18.05.2020
Gerade noch rechtzeitig

 

Waren die Beschränkungen in Deutschland bei der Eindämmung des Coronavirus verhältnismäßig? Mit dieser Frage beschäftigt sich der spiegel.de Beitrag: „Studie zu Corona-Maßnahmen: So effektiv ist die deutsche Pandemie-Politik". Er bezieht sich auf eine wissenschaftliche Untersuchung, die am 15. Mai im Science Magazine veröffentlicht wurde.

 

Demnach bremsten alle drei Maßnahmenpakete...
 

1: Verbot von Großveranstaltungen um den 9.3.

2: Schließung von Bildungseinrichtungen und vieler Geschäfte um den 16.3.

3: Weitreichendes Kontaktverbot ab dem 23.3.
 

...die Verbreitung des Virus. Paket 1 führt zu einer Abnahme der effektiven Wachstumsrate (ein Maß für die Virusverbreitung) von 30 % auf 12 %, Paket 2 von 12 % auf 2 %. Doch erst die Kontaktbeschränkungen im dritten Schritt führten zum Wachstumsstopp (– 3 %).
 

Dr. Viola Priesemann, Leiterin der Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen, die die Untersuchungen durchgeführt hat, sieht dabei keinen Widerspruch zu den Berechnungen des RKI: Danach lag die Reproduktionszahl bereits am 21.3., also vor der Verkündung der weitreichenden Kontaktbeschränkungen, unter 1. Zum Teil hätten Menschen ihr Verhalten schon vor den politischen Entscheidungen entsprechend geändert.

 

Timing entscheidend

Für die Effektivität der Maßnahmen ist das Timing wohl entscheidend, wie die Arbeitsgruppe durch eine Simulation zeigen kann. Im Falle einer starken Intervention, die die Wachstumsrate effektiv bremst, kann eine Verzögerung oder eine Beschleunigung des Interventionszeitpunkts um nur fünf Tage die Fallzahlen um den Faktor 3 verändern. Für den Lockdown am 23.3. heißt das: Er kam wohl gerade noch rechtzeitig. Nur fünf Tage später wäre die Zahl der Neuinfektionen laut Simulation auf mehr als das Dreifache gestiegen.

 

Die Daten des Göttinger Teams können dazu beitragen, künftige Pandemie-Szenarien besser abzubilden, Interventionen zu simulieren und Fallzahlen abzuleiten.

 

Wissenschaftliche Publikation:
https://science.sciencemag.org/content/early/2020/05/14/science.abb9789 

 

April 2020
Mit einem Impfstoffbaukasten gegen COVID-19
Mit ihrem Impfstoffbaukasten-System entwickelt das Start-up-Unternehmen Prime Vector Technologies GmbH (PVT) aus Tübingen Impfstoffe (Vakzine) gegen Krebs und Infektionserkrankungen. Gerade arbeitet das Team der PVT mit Hochdruck an der Herstellung eines COVID-19-Impfstoffes. Vollständiger Beitrag hier!

20.03.2020

Wodarg oder Drosten - wer hat Recht in Sachen Corona?

 

Auf tagesschau.de gibt es nun einen guten Beitrag dazu, der die meisten von Wodargs Argumenten entkräftet. https://www.tagesschau.de/faktenfinder/corona-wodarg-101.html.

Quelle: www.flattenthecurve.com

18.03.2020
Von Fake News und Verschwörungstheorien

 

In den sozialen Medien stößt man gerade auf eine Reihe von Posts und Messages, in denen behauptet wird, das Coronavirus sei gar nicht neu. Man wundert sich über Desinfektionsmittel-Flaschen, die schon Jahre alt sind und auf denen steht, dass das Mittel gegen Coronaviren hilft. Man liest, die Corona-Infektionswelle sei einzig eine Erfindung der Pharmaindustrie. Und neuerdings verbreitet sich das Interview des Lungenfacharztes und Politikers Dr. Wodarg wie ein Lauffeuer auf Facebook und Co. Wodarg behauptet, das Coronavirus gäbe es schon lange und die Pandemie sei deshalb gar keine Pandemie.

 

Es hört sich erst einmal alles ganz schlüssig und vor allem beruhigend an, was er in dem etwa 20-minütigen Interview im Youtube-Kanal Punk.Preradivic sagt. Wodarg nennt viele Zahlen, mit Fakten untermauert er sie allerdings in den meisten Fällen nicht.

 

Trotzdem: Man will ihm glauben. Man will glauben, dass alles eine große Fehleinschätzung der Wissenschaft ist. Die Lage in Italien, die überfüllten Krankenhäuser, die im Vergleich zur saisonalen Grippe augenscheinlich deutlich erhöhte Sterblichkeit – all diese Fakten sprechen allerdings eine andere Sprache.

 

Herrn Wodarg jetzt zu vertrauen und die aktuellen Anweisungen und Empfehlungen der Fachleute nicht zu befolgen, wäre verantwortungslos und für bestimmte Menschen auch gefährlich. Unsere Politiker haben nach intensiver Beratung mit Experten Maßnahmen zur Eindämmung des Virus beschlossen. Diese Maßnahmen wirken aber nur, wenn jeder einzelne sich daran hält und damit einen Beitrag für unsere Gemeinschaft leistet.

 

In diesem Sinne: #flattenthecurve!

 

Nachtrag: Coronaviren sind wirklich nicht neu

Man kennt sie schon seit den Sechzigern. Das SARS-CoV-2-Virus, also das Coronavirus, das wir meinen, wenn wir heute von "Corona" reden, wurde aber erst im Dezember 2019 entdeckt.

 

Ein kurzer Ausflug in die Viren-Systematik: „Coronaviren“ ist der Sammelbegriff für die Familie der Coronaviridae. Sie lässt sich in verschiedene Unterfamilien, Gattungen und Untergattungen unterteilen. Eine davon ist die Untergattung „Sarbecovirus“, zu der die Spezies SARS-assoziiertes Coronavirus (eng. Severe acute respiratory syndrome-related coronavirus, SARS-CoV).

 

Diese wiederum umfassen zwei nahe Verwandte: SARS-CoV-1, den Erreger der schwer verlaufenden Krankheit  SARS, und SARS-CoV-2, den Erreger der aktuellen Pandemie COVID-19. (Quelle: Wikipedia).

 

Die Ghettofaust. Zwei Fäuste berühren sich als Begrüßungsritual Die Ghettofaust als Begrüßungsritual - vorerst eine gute Alternative zum Handschlag. Bild: Adobe Stock / Werner.

12.03.2020

Alles Panikmache oder was?

 

Ich hatte gestern eine intensive Diskussion mit meinem älteren Sohn (18): Es sei doch kaum anders als bei der Grippe. Und überhaupt: Bei den allermeisten Leuten verliefe die Krankheit völlig harmlos. Und: Was solle also bitteschön die Panikmache?


Irgendwie verständlich, sein Standpunkt – und wahrscheinlich momentan die Haltung der meisten Teenagern hierzulande. Von Hysterie und Hamsterkäufen halte ich ja auch nichts. Von Pauschalisierungen und Stammtischparolen aber ebenso wenig. 


In meinem Biologiestudium habe ich gelernt, dass die Vermehrung von Mikroorganismen exponentiellen Wachstumsprozessen gehorcht. Man hat uns das damals mit einer Legende veranschaulicht. Der König von Indien wollte den Erfinder des Schachspiels für dessen geniale Idee entlohnen und fragte nach seinem Wunsch. Der Erfinder entgegnete, er wolle mit Reiskörnern bezahlt werden, und zwar mit einem Korn für das erste Feld des Schachbrettes, zwei für das zweite, vier für das dritte und so weiter – immer doppelt so viele Körner für jedes weitere Feld des Schachbrettes. Obwohl der König überrascht war von dem bescheidenen Wunsch des Erfinders, wollte er ihn erfüllen. Irgendwann aber musste er feststellen, dass es im ganzen Königreich nicht so viel Reis gab, als dass er dem Wunsch hätte nachkommen können. Ganze 18,45 Trillionen Reiskörner wären dafür nötig gewesen - eine 19-stellige Zahl!

 
Exponentielle Prozesse werden schnell unterschätzt
An exponentielle Prozesse ist der Mensch nicht gewöhnt – das besagt ein sehr lesenswerter Beitrag der Süddeutschen [1]. Es fällt uns schwer, uns das Ausmaß exponentiellen Wachstums vorzustellen, weil die Kurve zu Beginn zunächst nur ganz langsam ansteigt. Aber dann wird sie immer steiler und bald steigt sie nahezu senkrecht in die Höhe. „Noch befinden wir uns in Deutschland weit links in der Kurve“ – so ähnlich hat es der Chef des Robert-Koch-Institutes (RKI), Lothar Wieler gestern in einer Pressekonferenz ausgedrückt. Die Infektionsraten in Deutschland sind heute noch relativ gering, steigen aber mit großer Wahrscheinlichkeit in einigen Tagen dramatisch an. 

 

Was passiert, wenn sich die Zahl der Infizierten (zu) schnell erhöht, kann man ganz einfach an den Kurven auf www.flattenthecurve.com ablesen, die zurzeit in den Medien kursieren. Unser Gesundheitssystem wird – ohne sinnvolle Schutzmaßnahmen – in kürzester Zeit durch die Menge an Erkrankten überlastet sein [2].
 

Aktuell sind in Deutschland 1.567 COVID-19-Fälle beim RKI verzeichnet (Stand 11. März 2020). Für rund 80 Prozent verläuft die Erkrankung mild, für knapp 14 Prozent ernst, bei etwa fünf Prozent der Covid-19-Patienten so stark, dass diese eine Beatmungstherapie brauchen [3]. Wenn wir uns im Mittelfeld der Kurve befinden, dort wo sehr viele Erkrankte gleichzeitig behandelt werden müssen, kommt es bei einem zu schnellen Anstieg der Fallzahlen zu Engpässen in der Intensivmedizin. Auch Pflegepersonal könnte knapp werden, vor allem wenn Pflegerinnen und Pfleger ausfallen, weil sie sich vielleicht selbst angesteckt haben. Lieferengpässe beim Material wie Atemschutzmasken oder Sterilisationsmittel erleben wir bereits jetzt.

 

Es gibt also triftige Gründe, die Verbreitung des Virus zu verlangsamen und das Gesundheitssystem dadurch zu entlasten. Gerade werden massive Eindämmungsmaßnahmen ergriffen: Massenveranstaltungen wie der Mannheimer Maimarkt werden abgesagt, Bundesligaspiele finden ohne Publikum statt. Sehr zum Ärger meines jüngeren Sohnes (16) übrigens, der leidenschaftlicher Fußballfan ist.

 

Was geht mich das an?
Und was geht mich das an  - eine Frage, sich heute wahrscheinlich viele jungen Menschen stellen. Für sie ist es besonders schwer, die Lage richtig einzuordnen. Ihr eigenes Erkrankungsrisiko ist nach heutigem Kenntnisstand doch eher gering, die Einsicht, handeln zu müssen, entsprechend ebenso. 


Das Coronavirus ist besonders für die Über-65-Jährigen gefährlich, insbesondere wenn diese unter Vorerkrankungen leiden. "Wir müssen die Bevölkerung jenseits des Rentenalters schützen", rät deshalb Professor Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin. Drosten empfiehlt Eltern, ihre Kinder vorerst nicht mehr zur Betreuung zu den Großeltern geben. Stattdessen solle man diesen das Einkaufen abnehmen, damit sie nicht in den Supermarkt müssten [5].


Das Robert Koch-Institut (RKI) hat angesichts der Coronavirus-Pandemie speziell jüngere Menschen zu Selbstschutz und Solidarität aufgerufen [6]. Und was können wir Eltern hier beitragen? Mit ihnen reden, ihnen eine differenzierte Betrachtungsweise der Situation vermitteln. Wichtig ist, dass unsere Kinder verstehen: Wenn wir kleine Vorsichtsmaßnahmen treffen, dann schützen wir nicht nur uns, sondern besonders auch die älteren Menschen in unserer Gesellschaft. Wenn nicht, dann setzen wir sie einer Infektionsgefahr aus. Es sind kleine Maßnahmen, die wirklich helfen. Häufig Händewaschen, Abstand halten, Ghettofaust statt Handschlag… Und wichtig: Informiert euch an den richtigen Stellen: Auf den Seiten des RKI [7] und der zuständigen Gesundheitsämter zum Beispiel gibt es viele gute Tipps zum Umgang mit der aktuellen Situation. Und dabei geht es nicht um Panikmache – es geht um Fürsorge für uns und unsere Gesellschaft.

 

Empfehlenswerter Podcast zum Thema:
Das Corona-Virus-Update vom NDR
 

 

[1] https://projekte.sueddeutsche.de/artikel/wissen/coronavirus-die-wucht-der-grossen-zahl-e575082/ 
[2] https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/kampf-gegen-coronavirus-warum-wir-zeit-gewinnen-muessen-16671022.html
[3] https://www.welt.de/wirtschaft/article206486163/Coronavirus-Die-gefaehrliche-Knappheit-in-der-Intensivmedizin.html
[4] https://www.deutschlandfunk.de/corona-notfallplaene-in-krankenhaeusern-wir-haben-genug.676.de.html?dram:article_id=472287 
[5] https://www.welt.de/vermischtes/article206136215/Coronavirus-2078-Infizierte-in-Deutschland-Halle-schliesst-Schulen.html
[6] https://www.bz-berlin.de/berlin/robert-koch-institut-ruft-junge-menschen-zu-solidaritaet-auf
[7] https://www.n-tv.de/infografik/Coronavirus-aktuelle-Zahlen-Daten-zur-Epidemie-in-Deutschland-Europa-und-der-Welt-article21604983.html
[8 https://www.rki.de/DE/Home/homepage_node.html]

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19.12.2019

Tröpfchen für Tröpfchen...

 

...misst das Screening-System der Firma Velabs Therapeutics Antigen-Antikörper-Reaktionen. Zum Einsatz kommt das Verfahren bei der Suche nach neuen therapeutischen Antikörpern gegen Entzündungserkrankungen wie Arthritis, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Migräne, Schmerz, aber auch bei Ovarial-Karzinomen und seltenen Erkrankungen.

 

Das besondere: Das auf Mikrofluidik basierende Testsystem ist ein miniaturisiertes Verfahren, das jeden einzelnen Test in ein eigenes Tröpfchen verpackt. Es unterscheidet sich von herkömmlichen Testsystemen zur Antigen-Antikörper-Messung, indem es nicht die Stärke der Bindung misst, sondern die Funktionalität des gesuchten Antikörpers.

 

Zum vollständigen Profil der Velabs Therapeutics GmbH auf Gesundheitsindustrie BW.

apic.ai untersucht Verhaltensmuster von Bienen mit KI. Bild: pixelio, Anita Stoewesand.

03.12.2019

Was wir von den Bienen lernen können...

 

...das habe ich in einem Interview von Katharina Schmidt, Betriebswirtin und passionierte Imkerin, erfahren. Zusammen mit zwei Mitstreitern gründete sie 2017 apic.ai. 

Das Technologieunternehmen nimmt mithilfe eines speziellen visuellen Monitoringsystems Honigbienenvölker unter die Lupe, um daraus neue Erkenntnisse über den Zustand der Völker und ihrer Umgebung zu gewinnen. Das System nutzt Methoden der Künstlichen Intelligenz (KI / engl.: AI).  So ist es dem Team möglich, die Bienen automatisiert beim Verlassen des Stocks und dem Wiedereinfliegen zu erkennen, ihre Bewegungen zu verfolgen und bestimmte Verhaltensmuster daraus abzuleiten.

 

Mehr dazu im Beitrag "Von den Bienen lernen".

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