
Gesund leben in Weinheim.
Warme Empfehlung fürs kalte Nass
Veröffentlicht: 19. Juli 2026
Im Sommer ist die Kneippanlage im Weinheimer Exotenwald schon früh morgens gut besucht. Die ersten Besucher waten im Storchengang durch das kalte Wasser. Auch Spaziergänger, Wanderer oder Jogger kommen im Laufe des Tages vorbei, um ihren Füßen eine kühle Pause zu gönnen. Viele zieht es regelmäßig hierher, weil sie den Effekt des Wassertretens schätzen.
Dass Weinheim sich diesen besonderen Ort leistet, ist nicht selbstverständlich - viele Städte haben ihre Anlagen inzwischen stillgelegt, weil sie die Kosten oder den Pflegeaufwand nicht mehr stemmen können. Die Stadt Weinheim reinigt die Kneippbecken während der Saison jeden Donnerstag. Der Kneippverein kümmert sich ehrenamtlich um die Pflege der Anlage sowie des Barfußpfads und des Kräuterbeets. 2021 wurde die Anlage in enger Zusammenarbeit der Stadt Weinheim, der Stadtwerke, des Kneippvereins und des Rotary Clubs umfassend saniert. Dabei wurden unter anderem die Quellwasserzuführung, das Tret- und Armbecken erneuert, die Grünfläche neu gestaltet und ein Barfußpfad angelegt.
Die Kneippanlage ist ein besonderer Ort in Weinheim. Da ich nicht weit entfernt wohne, zieht es mich im Sommer regelmäßig dorthin. Dabei habe ich mich schon öfter gefragt: Was ist eigentlich dran an der Lehre von Sebastian Kneipp? Der bayerische Pfarrer entwickelte im 19. Jahrhundert ein ganzheitliches Gesundheitskonzept, das auf fünf Säulen beruht: Wasser, Bewegung, Ernährung, Heilpflanzen und Lebensordnung. Bekannt wurde er vor allem durch seine Wasseranwendungen.
Tatsache ist: Wer an einem heißen Sommertag mit schweren oder müden Beinen ins kalte Wasser steigt, spürt meist sofort eine wohltuende Wirkung. Die Beine fühlen sich leichter an, die Müdigkeit lässt nach und der Kreislauf kommt wieder in Schwung. Doch lässt sich dieses Gefühl auch wissenschaftlich erklären?
Aus physiologischer Sicht passiert tatsächlich einiges. Durch das kalte Wasser ziehen sich die Blutgefäße zunächst zusammen. Dadurch wird der venöse Rückstrom unterstützt, geschwollene Beine können abschwellen und das Herz-Kreislauf-System erhält einen kurzen Reiz. Gleichzeitig beeinflusst die Kälte die Nervenleitung und verändert die Schmerzwahrnehmung. Genau deshalb empfinden viele Menschen das Wassertreten unmittelbar als wohltuend.
Und wie sieht es mit den Langzeitwirkungen aus, die dem Wassertreten häufig zugeschrieben werden? Auch damit beschäftigt sich die Forschung. Aktuelle Übersichtsarbeiten zur Kneipp-Hydrotherapie finden Hinweise auf positive Effekte bei venösen Beschwerden, dem subjektiven Wohlbefinden, der Schlafqualität und einzelnen Herz-Kreislauf-Parametern. Ob regelmäßiges Kneippen darüber hinaus das Immunsystem stärkt und die Infektanfälligkeit verringert, wie häufig gesagt wird, lässt sich derzeit wissenschaftlich noch nicht eindeutig belegen. Erste Hinweise gibt darauf gibt es jedoch.
Vielleicht braucht es auch gar keine nwissenschaftlichen „Beweis“. Wie gut Kneippen tut, kann jeder selbst erleben: an einem heißen Sommertag bei einem kurzen Abstecher zur Kneippanlage im Exotenwald. Schuhe aus, Hosenbeine hochkrempeln, hinein ins kalte Wasser – und anschließend mit erstaunlich leichten Beinen wieder nach Hause.
Quellen
- Ortiz M et al. BMJ Open. 2023;13:e070951
- Cain T et al. PLOS ONE. 2025;20(1):e0317615
- https://www.weinheim.de/2613734.html
- https://www.kneippverein-weinheim.de
💡Gut zu wissen
Sebastian Kneipp
Sebastian Kneipp (1821–1897) war katholischer Pfarrer und gilt als Begründer der Kneipp-Medizin. Kneipp war Anfang des 20. Jahrhunderts in Amerika der bekannteste, deutsche nach Otto von Bismarck. Seine Gesundheitslehre beruht auf fünf Säulen: Wasser, Bewegung, Ernährung, Heilpflanzen und Lebensordnung.
📍 Vor Ort
Idyllische Lage
Die Weinheimer Kneippanlage liegt idyllisch im Exotenwald, etwa 20 Minuten zu Fuß vom Schlosspark entfernt. Man erreicht sie, indem man z.B. dem Exotenwald-Rundweg oder dem Großen Rundweg folgt. Dann kommt man automatisch an der Anlage vorbei.
🌿Ausprobieren
Wie kneippt man richtig?
Nicht länger als 30 bis 60 Sekunden im kalten Wasser bleiben. Im sogenannten Storchengang langsam durch das Wasser gehen, anschließend die Beine nur abstreifen – nicht trocken rubbeln – und sich danach durch Gehen oder warme Kleidung wieder aufwärmen. So empfiehlt es der Kneipp-Bund.