
Gesund leben in Weinheim.
Sommer in der Stadt
Veröffentlicht: 1. August 2026
An einem heißen Julitag gehe ich durch den Exotenwald Richtung Marktplatz. Mit jedem Schritt aus dem Wald hinaus wird es wärmer und die Luft wirkt schwerer. Gerade in Stadtgebieten liegen zwischen angenehmer Kühle und sommerlicher Gluthitze oft nur wenige hundert Meter.
Hitze gehört inzwischen zu den größten gesundheitlichen Risiken des Klimawandels. Besonders ältere Menschen, kleine Kinder sowie Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden unter langanhaltenden Hitzeperioden. Der Deutsche Wetterdienst weist seit Jahren auf die gesundheitlichen Gefahren extremer Hitze hin. Auch das Robert Koch-Institut beobachtet während Hitzeperioden regelmäßig einen Anstieg der Sterblichkeit. Hitze ist längst nicht mehr nur ein Wetterphänomen – sie ist eine Herausforderung für die öffentliche Gesundheit.
Umso wichtiger wird die Frage: Wie können Städte so gestaltet werden, dass Menschen auch an heißen Sommertagen gesund darin leben können?
Bäume sind natürliche Klimaanlagen
Einen Teil der Antwort liefern die Bäume. Sie spenden nicht nur Schatten, sondern sind auch natürliche Klimaanlagen. Über ihre Blätter verdunsten sie Wasser. Für diesen Prozess wird Wärme aus der Umgebung benötigt – die Luft unter dem Baum kühlt sich dadurch spürbar ab. Wie groß dieser Effekt ist, zeigt ein Vergleich des bekannten Försters und Buchautors Peter Wohlleben: Die Kühlleistung eines ausgewachsenen Laubbaums entspricht an einem heißen Sommertag der von rund 1.000 modernen Kühlschränken.
Besonders wichtig ist der Kühleffekt in den Abend- und Nachtstunden. Kühlt eine Stadt nachts kaum noch ab, kann sich der Körper schlechter von der Hitze des Tages erholen. Besonders für ältere und chronisch kranke Menschen wird das schnell zur Belastung.
Von dem natürlichen Klimaeffekt der Bäume auch Weinheim. Der Exotenwald, der Schlosspark, der Herrmannshof und zahlreiche weitere Grünflächen sind weit mehr als schöne Erholungsorte. Sie tragen dazu bei, die Stadt an heißen Tagen zu kühlen und schaffen Räume, in denen Menschen durchatmen können.
Weinheim bietet Hitzeknigge, kühle Räume und Trinkanlagen
Damit Bürgerinnen und Bürger gut durch Hitzeperioden kommen, stellt die Stadt Weinheim auf ihrem Geoportal Informationen zu sogenannten „Kühlen Orten“ bereit. Außerdem informiert der Hitzeknigge über einfache Maßnahmen zum Schutz vor Hitze – etwa ausreichend trinken, körperliche Anstrengungen in die kühleren Tagesstunden verlegen oder Innenräume möglichst kühl halten.
Auch auf Bundesebene gewinnt das Thema an Bedeutung. Ziel ihrer Klimaschutzstrategie ist es, Städte an den Klimawandel anzupassen und sie auch in Zukunft als lebenswerte Orte zu erhalten.
Vielleicht werden wir den Wert eines alten Baumes künftig anders bemessen – nicht nur nach seinem Alter oder seiner Schönheit, sondern auch danach, wie viele heiße Sommertage er für uns erträglicher macht. Denn manchmal liegen zwischen brütender Hitze und angenehmer Kühle nur wenige Schritte. Und sie beginnen im Schatten eines Baumes.
Quellen:
- Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB): Online verfügbar unter: https://www.bmwsb.bund.de/DE/stadtentwicklung/klimagerechte-stadtentwicklung/hitzeschutz/hitzeschutz-artikel.html(zuletzt abgerufen am 19.07.2026).
- Deutscher Wetterdienst (DWD): Online verfügbar unter: https://www.dwd.de/DE/leistungen/hitzewarnung/hitzetrend.html (zuletzt abgerufen am 19.07.2026).
- Robert Koch-Institut (RKI): Online verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Themen/Gesundheit-und-Gesellschaft/Gesundheitliche-Einflussfaktoren-A-Z/H/Hitze/gesundheitliche-auswirkungen-hitze-node.html (zuletzt abgerufen am 19.07.2026).
- Stadt Weinheim. Online verfügbar https://www.weinheim.de/startseite/stadtthemen/weinheim+zeigt+seinen+kuehlen+orte.html (zuletzt abgerufen am 19.07.2026).
- SWR Aktuell (Interview mit P. Wohlleben): Online verfügbar unter: https://www.swr.de/swraktuell-radio/hitzewelle-deutschland-wie-lange-noch-bis-zum-naechsten-wald-100.html (zuletzt abgerufen am 19.07.2026).
💡Gut zu wissen
Bäume erzeugen Verdunstungskälte
Ein ausgewachsener Laubbaum kann an einem heißen Sommertag bis zu 500 Liter Wasser verdunsten. Die dabei entstehende Verdunstungskälte entspricht nach Berechnungen des Försters Peter Wohlleben der Kühlleistung von etwa 1.000 modernen Kühlschränken.
📍 Vor Ort
Exotenwald entdecken
Wer sich für mehr Stadtgrün engagieren möchte, kann eine Baumpatenschaft für einen städtischen Baum übernehmen oder die Baumscheibe vor dem eigenen Haus mit insektenfreundlichen Pflanzen gestalten. Darüber hinaus unterstützt die Stadt Weinheim Eigentümerinnen und Eigentümer dabei, Grundstücke durch Bäume sowie Dach- und Fassadenbegrünungen klimaresilienter zu gestalten. Informationen zu den Fördermöglichkeiten und Baumpatenschaften finden sich auf der Internetseite der Stadt Weinheim.