
Gesund leben in Weinheim.
Einfach Wasser?
Veröffentlicht: 1. September 2026
Bild: Elke Matuschek
Wasser ist Wasser – oder etwa nicht? Aus der Leitung oder aus der Flasche, still oder mit Sprudel – rund ums Trinkwasser begegnen uns einige Fragen. Was steckt drin in unserem Trinkwasser, wie trinken wir es am liebsten und welches Wasser tut uns gut?
Leitungswasser oder Mineralwasser?
Wer regelmäßig einen Wasserkocher benutzt, kennt die weißen Kalkablagerungen, die das Weinheimer Leitungswasser schnell hinterlässt. Ist das ein Problem für unsere Gesundheit?
Die gute Nachricht zuerst: Unser Weinheimer Leitungswasser ist streng kontrolliert, qualitativ hochwertig und als Trinkwasser bestens geeignet. Nach den Analysedaten der Stadtwerke aus dem Jahr 2026 enthält Weinheimer Trinkwasser rund 88 mg Calcium und etwa 13 mg Magnesium pro Liter. Damit zählt Weinheimer Trinkwasser zum Härtebereich „hart“. Doch das ist keineswegs ungesund. Für die Wasserhärte sind vor allem Calcium und Magnesium zuständig – beides Mineralstoffe, die unser Körper benötigt. Die Kalkablagerungen im Wasserkocher mögen lästig sein, für unseren Körper sind sie jedoch kein Problem.
Wenn Weinheimer Leitungswasser also bedenkenlos getrunken werden kann - warum trinken dann viele teures Mineralwasser aus der Flasche ?
Abgefülltes Mineralwasser hat natürlich ebenfalls seine Berechtigung. Wer bestimmte Mineralstoffe aufnehmen möchte oder einen bestimmten Geschmack bevorzugt, kann gezielt ein passendes Mineralwasser auswählen. Allerdings lohnt sich ein Blick auf das Etikett: Der Gehalt an Calcium oder Magnesium unterscheidet sich von Marke zu Marke erheblich. Teurer bedeutet dabei nicht automatisch mineralstoffreicher – und Leitungswasser nicht unbedingt mineralstoffärmer.
Zu der rein gesundheitlichen Überlegung kommt der Umweltaspekt: Leitungswasser verursacht deutlich weniger Verpackungsmüll und Transportaufwand als Flaschenwasser. Nach Angaben des Umweltbundesamtes erzeugt das Trinken von Leitungswasser weniger als ein Prozent der Umweltbelastungen von Mineralwasser. Entscheidend dafür sind vor allem Herstellung und Transport der Flaschen.
Und dann ist da noch die Frage nach dem Sprudel …
Still oder Sprudel? Diese Frage gehört in Cafés und Restaurants wahrscheinlich zur meist gestellten überhaupt. Verbreitet ist in diesem Zusammenhang die Behauptung, dass Kohlensäure im Trinkwasser den Magen übersäuert und zu Sodbrennen führt. Aus gesundheitlichen Überlegungen schwenken manche Menschen um auf stilles Wasser. Andere bevorzugen Sprudelwasser, da es ihnen einfach besser schmeckt. Ist das denn wirklich weniger gesund?
Umgangssprachlich sprechen wir bei Sprudel von „kohlensäurehaltigem Wasser“. Tatsächlich wird Mineralwasser nicht mit einer Säure, sondern mit dem Gas Kohlendioxid (CO₂) versetzt. Ein kleiner Teil des Kohlendioxids reagiert mit Wasser tatsächlich zu Kohlensäure. Der weitaus größte Teil bleibt jedoch als gelöstes Kohlendioxid erhalten.
Viele Menschen glauben, die „Kohlensäure“ mache den Magen „sauer“. Wissenschaftlich lässt sich das nicht bestätigen. Unser Magen hat (im nüchternen Zustand) ohnehin ein sehr saures Milieu mit einem pH-Wert von etwa 1 bis 2. Er ist also wesentlich saurer als Sprudelwasser. Der geringe Anteil an Kohlensäure im Getränk verändert diese starke Magensäure praktisch nicht.
Bislang veröffentlichte wissenschaftliche Übersichtsarbeiten liefern keinen überzeugenden Beleg dafür, dass kohlensäurehaltiges Wasser den Magen schädigt oder gar eine Refluxerkrankung verursacht. Warum berichten manche Menschen dann über Beschwerden? Die Ursache ist wahrscheinlich eine andere: Das im Wasser gelöste Kohlendioxid entweicht im Magen wieder. Dadurch kann sich der Magen etwas ausdehnen, man stößt häufiger auf oder empfindet ein Druckgefühl. Bei Menschen mit Reflux können kohlensäurehaltige Getränke individuell Beschwerden auslösen oder verstärken. Deshalb kann es sinnvoll sein, darauf zu achten, was man persönlich gut verträgt. Einen Nachweis, dass Kohlensäure Reflux verursacht, gibt es jedoch nicht.
Die Antwort auf die Frage „still oder sprudelnd?“ ist deshalb in erster Linie Geschmackssache. Entscheidend ist, regelmäßig und ausreichend zu trinken – besonders an heißen Sommertagen oder bei körperlicher Aktivität.
Quellen (Auswahl):
Wissenschaftliche Fachliteratur
- Johnson DA et al. Systematic review: The effects of carbonated beverages on gastro-oesophageal reflux disease. Aliment Pharmacol Ther. 2010;31(6):607–614.
Institutionen
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): https://www.dge.de/. Zuletzt abgerufen am 31.08.2026.
- Umweltbundesamt (UBA). https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/trinkwasser-aus-der-leitung-nachhaltig-gesund. Zuletzt abgerufen am 31.08.2026.
- Deutsche Herzstiftung. https://herzstiftung.de/ihre-herzgesundheit/gesund-bleiben/ernaehrung/kalk-im-trinkwasser. Zuletzt abgerufen am 31.08.2026.
Regionale Quellen
- https://www.wasserportal.info/
- Stadtwerke Weinheim.https://sww.de/de/Produkte/Wasser/Wasserversorgung.php?search=trinkwasser. Zuletzt abgerufen am 31.08.2026.
- Stadt Weinheim: Geoportal „Kühle Orte“ und öffentliche Trinkwasserbrunnen. https://www.geoportal-weinheim.de/weinheim/index.php?service=Kühle%20Orte. Zuletzt abgerufen am 31.08.2026.
💡Gut zu wissen
Keine Gefäßverkalkung durch Leitungswasser
Kalkhaltiges Wasser schädigt entgegen weit verbreiteter Annahmen NICHT die Herzgefäße. Die Deutsche Herzstiftung formuliert dazu: „Es gibt keinen Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Kalk über das Trinkwasser und dem Verkalken von Herzkranzgefäßen.“
📍 Vor Ort
Trinkwasserbrunnen in der Stadt
Wer in Weinheim unterwegs ist, kann seine Trinkflasche an mehreren öffentlichen Trinkwasserbrunnen kostenlos auffüllen. Die Standorte der Brunnen sowie schattige Aufenthaltsorte zeigt die Karte „Kühle Orte“ im Geoportal der Stadt Weinheim. Das Geoportal ist über die Internetseite der Stadt Weinheim unter „Stadtplan / Geoportal“ erreichbar.
🌿 Ausprobieren
Machen Sie den Vergleich!
Machen Sie den Geschmackstest: Füllen Sie Ihre Trinkflasche einmal mit Leitungswasser und vergleichen Sie es blind mit einem stillen Mineralwasser aus der Flasche. Oft sind die Unterschiede kleiner, als man erwartet. Vielleicht entdecken Sie dabei sogar einen neuen Favoriten – ganz ohne weite Transportwege.